Skizzierung 3 des Monats März

Es war zu früh noch, den Todestag von Eliezer Steinbarg zu begehen, aber andererseits. Und außerdem. Es schien die Sonne, schien bukowarm, noch immer aber fassten Schmutzkrustenwächten aus Schnee die Straßen ein. Schmelzwasser züngelte schlammig über den Asphalt. Es ging hinab, hinauf, eine rosa Mauer ungefähr gegenüber einem kleinen Markt für Äpfel, Birkensaft und elementare Gegenstände entlang.
Зелена вулиця.
Es ging sich einsam dann, die Stadt stirnte am jüdischen Friedhof schon ein bisschen aus.
Ich stapfte über die Harschschichten des orthodoxen Friedhofs und sah die Kuppel der Leichenhalle sich heben mit jedem Schritt, der mich der Hügelkuppe näher brachte. Die Schritte klangen U-kra-i-na ― uu, kraa, ie, naa.
Einsamer nie war mir ein jüdischer Friedhof begegnet. Eine Stunde lang kein Mensch, nicht Katze noch Wiesel noch sonstwas. Kein Vogel faktisch. Metaphysisch vielleicht. Es war einfach so.
Seltsam und exzeptionell. Hunderte hunderte Grabsteine, viel intakter und mehr und unumgefallener als gedacht. Jeder einzelne wert, beschaut und berührt und bezeugt zu werden, festgehalten zu werden.
Nun ein langer, nicht dargestellter Absatz Schweigen.
Schneeschalom.
Inschriften, die sich ins letzte Jahrhundert schälen, und die niemand mehr.

Jüdischer Friedhof Czernowitz Leichenhalle, Jüdischer Friedhof CzernowitzJüdischer Friedhof Czernowitz Jüdischer Friedhof Czernowitz Jüdischer Friedhof Czernowitz Jüdischer Friedhof Czernowitz

Wie es wurde, wie es ist: LINK.

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~ von R - 6. März 2013.

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