Saluti da Venezia

Wie sehr die Touristen auch auf die Fährboote drängen, keines der Vaporetti wird zu einer Arche.

Die Gesichter der Bettlerinnen zeigen Spuren der Republik.

Ich sehe den Hausmeister, wie er die Terrasse fegt, mit dem blauen Büschel der Renaissance.

In ihrem Staubraum versucht die Paläontologin, ein Stück Hornplatte auf ihrem Grammophon abzuspielen. Das ist ihr Wesen ― sie sagt auch Kreolschaum zu dem Milchbausch auf einem Espresso.

Das Kind des Eremiten spielt im Keller Gesellschaft. Es trägt der Stille neue Kleider.

Von unten betrachtet, lässt sich das Azur der Lagune nur alle paar Tage atmen. Im Raumrafferverfahren.

Das Licht zieht mich immer noch sehr in die Enge.

Man sagt, die Piloten mit dem lautesten Tinnitus fangen die seltensten Fische.

Volksmärchen dreizehn: Am Lido führt um Mitternacht ein Steinbaron die Sense durch den Sand.

Ich liebe es so, wie es sein wird.

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~ von R - 22. September 2011.

4 Antworten to “Saluti da Venezia”

  1. Venedig muss eine interessante Stadt sein.

    • Falls du das meinst: Nein, ich gehe nicht auf Knien, weil es sich vielleicht so gehört. Aber du hast Recht.
      Und: Ich freue mich auf deine Texte, die kommen.

  2. Lieber Ron Winkler,

    Christel Fallenstein hat mir Ihre ‚Saluti da Venezia‘ weitergeleitet ― und da ich diese Stadt sehr liebe, dort auch studiert habe, habe ich vieles, was Sie schreiben, als sehr treffend bewillkommnet! Bitte, nehmen Sie mich doch unter die Abonnenten der ‚Saluti‘ auf!

    Herzlichen Dank ― und Ihnen alles Beste!
    Mit schönsten Septembergrüßen,
    Pia-Elisabeth Leuschner

    PS: Kennen Sie Vincenzo Cardarelli »Settembre a Venezia«?

    • Interessant und schön, dass Sie es so sehen. Denn letztlich werden ja keine direkten Aussagen über Venedig getroffen, wobei ich den Text schon als direkt ansehe. Direkt, wenn auch nicht mit Standardwerten aus dem offziellen Venedig-Kanon be- oder untermalt. Die Grüße scheinen mir eher Widerschein eines Denkens in einer Situation, die eben genau diese Situation ist.
      Ja, ich liebe Venezia auch. Die »kalmierende Wirkung«, von der Nietzsche sprach, sie ist da. Aber die mitgebrachte Diffusion und die Kaskaden der mit der Welt vernetzenden Irritationen kann man nicht wegschalten. Und der erste Text aus der Serenissima ist ohnehin eher nur ein online-Piranesi-Mezzanin zu den Texten, die mal in ein Buch kommen. Ein Exkurs sottocutaneo. Aber für Sie schiebe ich gerne noch etwas Venezianeskeres hinterher.

      Und zu Vincenzo Cardarelli: Nein. Aber Ihr Tipp erhält eine Warteschleife. Auch, weil ich bei Carderelli so schön an carceretto denken muss.

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