poèmes sur papier

Die Zeit, die für Gedichtbände gilt, wirft ihr Licht voraus. In diesem Frühjahr erscheinen folgende, nicht selten vielversprechende Neueinträge in die Bibliotheken zeitgenössischer Lyrik:
Hendrik Rost, Der Pilot in der Libelle. [Wie schon Im Atemweg des Passagiers ein schöner Titel für einen Band.]
Martina Hefter, nach den diskotheken. [Alles passé? Siehe auch Nach den Satiren (Durs Grünbein, 2001), nach der verdauung (Beatrix Neiss, 2007), Der Winter nach der schlimmen Liebe (Eva Strittmatter, 2005), Nach der Natur (W. G. Sebald, 1988) oder Kanon vor dem Verschwinden (Tom Schulz, 2009).]
Cornelia Schmerle, In Pulsen [Wie Hefters Buch ein lange gereiftes Debüt.]
Andreas Altmann, Das zweite Meer.
Kathrin Schmidt, Blinde Bienen. [Man kann die Blindheit fast nicht denken ohne Bezug auf Schmidts aktuellen Roman — Du stirbst nicht.]
Marion Poschmann, Geistersehen. [Vom Verlag beschrieben als Annäherung an das Sichtbare vermittels des Unsichtbaren.]
Nadja Küchenmeister, Alle Lichter. [Man denkt/ denke assoziativ ein wenig an Daniela Dröscher, Die Lichter des George Palmanazar.]
Ursula Krechel, Jäh erhellte Dunkelheit. [Lichter, Pulse, Blindsein, jähe Blitze, Sehen — anscheinend geht es verstärkt um Sehen und Nichtsehen, um die Kontraste zwischen Licht (Milchstraße) und Schwarz, auch um guidance (der Pilot): ob nun in den Diskotheken oder außerhalb. Dort vielleicht — entlang der lebendigen Linie —, wo die Tiere beginnen. Bienen zum Beispiel.]
Swantje Lichtenstein, Entlang der lebendigen Linie. [Der Untertitel zu diesem lyrischen Zyklus kündigt uns Sexophismen bzw Sexsophismen an.]
Markus Breidenich, Am Milchstraßenrand.
Zudem, als erster Band einer Werkausgabe: Erich Arendt, Trug doch die Nacht den Albatros.
Einige Lyrikerinnen treten in diesem Frühjahr mit Prosa auf, darunter drei Debüts in der jeweiligen Gattung:
Ulrike Almut Sandig, Flamingos. [Geschichten]
Judith Zander, Dinge, die wir heute sagten. [Roman]
Ulrike Draesner, Vorliebe. [Roman]
Silke Scheuermann, Emma James und die Zukunft der Schmetterlinge. [Kinderbuch]

Nachzutragen sind Gedichtbände von Jean Krier, Herzens Lust Spiele, Karin Fellner, hangab zur kehle, Steffen Jacobs, Die Liebe im September und Christoph Wenzel, tagebrüche. Außerdem erschienen: Michael Lentz, Offene Unruh: 100 Liebesgedichte. [Stand 29.03.2010]

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~ von R - 20. Januar 2010.

8 Antworten to “poèmes sur papier”

  1. allons, enfants, aux librairies!

    • kommt einem nicht die prärie entgegen, aus librairies?
      so wären die bibliotheksbenutzer — leser von alters her — trapper und squatter, scouts und schmetterlingssammler. und gedichte könnte man sehen als die noch nicht getilgten bisonherden. oder anders: als herd für bisonartige wucht. beziehungsweise wenigstens als (in) das fell einer wucht (getarnt).
      und die prärien eigene einsamkeit herrschte auf seiten sowohl des jägers als auch der beute (wir erinnern uns: das, was beutel bildet aus wucht, fell, tilgung und auch artigkeit. denn natürlich kommt art oft auch von artig. von manierlich. heißt es denn nicht in der manier …?)
      und so sitzen wir da, als seitenbeweger und semantikordner. und sitzen da in unserer bisonsehnsucht, getarnt mit interesse, und lassen uns die gedanken reizen von den prärien, mit hier und dort seltsam hapaxlegomenalem bewuchs (leaves of void), der auf uns übergeht.

  2. und nicht zu vergessen: T. Schulz (Kanon vor dem Verschwinden) als unser enfant terrible.

  3. Bezug? naja, is halt die Frage, ob es sich lohnt.

    deswegen also nur frei assoziativ gehalten: Begriffspersonenfindungsversuche, um auf mögliche Grunddispositionen hinzuweisen. — enfant teribble, poeta capriciosius, poeta usw. — wobei dieses rethorisches Mittel nicht meine Erfindung ist, sondern von G.D. (Vorgehensweise, die jetzt doch sehr bescheiden recht konstruktiv ist, weil dadurch erst das Subjekt sich selbst erkennt, seine Freiheiten und Grenzen.)

    Wahrheit, Trueness: nach dem Motto Personalausweis sind da nur hinderlich, und schränken (meine) Aufbruchsstimmung ein.

  4. Der beste, richtigste Titel für ein Buch (egal was für eins) ist eh schon weg: »Schwerkraft und Gnade« — Simone Weil, München, 1981. Und »Schwerkraft« — wenigstens die Hälfte — auch schon weg. Was soll man machen …

    • Was heißt »schon weg«? Es sind doch jetzt Zeiten, wo es chique, cool, smart und schneidig ist, sich das zu nehmen, was man braucht. Warum nicht jedes Buch »Schwerkraft und Gnade« nennen? Wie mörder-postmodern wäre dass denn? Zumal wenn man am Anfang seiner Karriere steht, muss man es sich doch zur Pflicht machen, mit einem Best-of zu debütieren. Echt ist nur, was man echt kompiliert.

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