Gruß aus der Gegenwart Gestern

Spiele

Beste Freunde waren wir, als es beste
Freunde noch gab: Vor dem August
Putsch in der UDSSR zwei Radlerhosen
durch Oberschwaben, die Nacht in Scheunen,
gefaltet im Nacken der Südkurier.

Ein Schmerz und eine Kehle, wir hakten
die Flecken auf dem Faltplan ab, neun
Kilometer über Land, ein neuer Ort, daheim
spitzte kein Mauerblümchen die Lippen
zum Sommernachtskuss, nur die Eichen

hielten unserem Drängen stand. Beste Freunde
waren wir, bis uns die Raupe Nimmersatt
entzweite: Dirk plädierte auf tauglich, schob
ein Gewissen vor, ich tingelte gen Äquator,
spielte Blackjack in der Zona Franca.

Es waren Jahre der Falken, niemand krähte
nach niemand, Kneipen wurde groß
räumig umfahren, man verging sich
in Widersprüchen, Die Welt war nicht genug
verfing sich in ruchlosen Romanzen.

Timo Berger

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~ von R - 14. Juni 2009.

14 Antworten to “Gruß aus der Gegenwart Gestern”

  1. was für ein gedicht! sätze, die einfach gut zu lesen sind, ein tolles auto, ein so schön kompaktes gedicht.

    für den literaturwissenschaftler, allerdings, ein leichtes spiel. ganz unangemessen, eigentlich, wenn man die inhalte bedenkt, die im gedicht thematisiert sind.

    • Sollte der Literaturwissenschaftler leichtes Spiel haben — es sei ihm, ganz unangemessen eigentlich, gegönnt.

      • aber nur wenn man den »wissenschaftler« bedenkt, seine lektüren.

  2. interessante, atmosphärisch stimmige erste strophe. danach rostet das ganze doch etwas ein, wohl nicht genügend ausdauer; einzelne verse wirken dann auch kaum (nach), driftet ins nostalgisch palavernd private [dirk?! hm… dirk. also gut. dirk. also egal. dirk].
    die spielerei ›ein schmerz und eine kehle‹ tut weh. vielleicht gerät vor allem dadurch das gedicht aus der bahn und nimmt mich im weiteren verlauf nicht mehr wirklich mit. und: kein ho ho ho oder aha meinerseits für die versteckte referenz.

  3. Nach Geli nun Dirk. Kann das Zufall sein? Eine Anspielung, »Referenz«? Aber worauf … Sind sie die neuen Romeo Clyde und Julia Bonnie? Hier in unserem Nichtseattle, früher mal Speckrand der USSR. »Ein Schmerz und zwei Kehlen« wäre vielleicht eine schönere Lösung. Aber es ist eben die Tinktur, die sie ist, und sie lässt sich gut trinken. (Beziehungsweise als Auto fahren.)

    • ich meinte damit die anspielung auf ›ein herz und eine seele‹, die serie, die in manchen, doch vor allem seltsamen nostalgie-bluescreen-kommentar/gelaber-sendungen als sternstunde des deutschen fernsehens gefeiert wird. ekel alfred und all das. aber vielleicht ist sie nur fuer mich recht spaet geborenen, wie es so heiszt, versteckt. — dann doch lieber blackadder

  4. Ach, beides zusammengenommen sollte man das Gedicht nun doch als »gelungen« bezeichnen können.
    Einerseits ist da dieser Händedruck, ein Tonfall, den man von irgendwoher zu kennen meint. Andererseits ist Dirk als Name für einen einfachen Menschen doch nicht schlecht gewählt,
    verdammt noch mal.
    Die Frage nach dem, was der Leser in diesem Gedicht wohl zu suchen hat, ist eine nicht unerhebliche Frage.
    Noch schwieriger wird es, wenn man den Autor auf seine Schreibweise hin befragen würde, wie er denn zu solchen Sätze komme. Eine traurige Sache, wie ich finde. Enttäuschend.

  5. […] hier Drucken als […]

  6. was der leser in diesem gedicht zu suchen hat? nun — er soll es lesen, und ja — gut so — dass sich nicht jede biografie eines autors mit der seiner leser verstehen lässt. den autor befragen? schwierig, wenn man noch nicht mal die geduld hat zu lesen. der autor zeigt was, er schreibts — wer möchte, dass er die hosen runterlässt, ist in der falschen kunst gelandet.
    ich finde gut, was mir das gedicht hier zeigt und es gefällt mir und ich verstehe es auf meine weise. ich kann mich bewegen, und das kann ich den bildern bewegen, und das kann ich selten in biografisch angehauchten texten.

  7. also wirklich, so langsam fängt es an zu nerven, ich habe besseres zu tun, damit das mal gesagt ist. aber wenn ein gewisser metroprolet hier das sagen haben soll, mir ist es gleich, soll der mal reden. und nebenbei bemerkt: seit wann hat denn die biografie des autors was mit seinen texten zu tun? die meisten schreiben doch sowieso nur das, was ihnen durch den kopf geht. das übliche blabla, wahrscheinlich. was denn sonst? oder hat jemand einen anderen vorschlag? ich warte.

    • Das ist der letzte Kommentar dieser Art von dir. Dieses komische Rollenspiel ist weder spannend noch produktiv.

  8. von mir? gut, dann müssen wir uns wohl von herbert verabschieden.

    lieber herbert, adieu.

  9. ups — lieber Ron, lieber Herbert wer auch immer — ich hab nur geantwortet auf Herbert — hatte ich wohl falsch verstanden, das man mich falsch verstehen kann. Oh je — kommt also nicht mehr vor — ich bin sicher der allerletzte auf der Welt, der jemanden mit seiner Meinung belästigt, der sich eh nichts draus nehmen kann oder mag. Zu meiner Entschuldigung kann ich nur anführen, dass ich niemanden verletzen wollte — ich hab auch gar nicht verstanden — womit ich das getan habe? Aber Ok — Missverständnisse kommen vor — die sollte man ausräumen.

    Gruss der metroprolet aka Ernesto Castillo

  10. PS. und ich habe sicher nicht das Sagen — Nirgends und sicher schon gar nicht auf Rons Blog??? — Ich versteh hier irgendwas nicht? — Ich werde versuchen, mich zu mässigen, — aber ich dachte, hier kann man ernsthaft diskutieren — vielleicht war ich einfach nicht ernsthaft genug? Seis drum — Sorry.

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