Grüße aus Edenkoben [#9]

in meinen Augen sitzen die Anderen und sehen sich
alles, was ich sehe, an. ich sehe nur, was ich sehe.
bei Nacht sehe ich den Marder im Flutlicht, im Hof
unterm Blauglockenbaum, seh ihn sich nicht rühren
und unsichtbar werden im ausgehenden Licht. ich
sehe keine Kometen. keine Satelliten. ich sehe nichts
außer dem Stückmond und meinem eigenen Abbild
im Glas. bei Tag sehe ich das rasend verschwommene
Grün im Garten hinter dem Hof, das mechanische
Nicken der Taube in immer demselben Strauch und
die Flieger drüber im Übungseinsatz seh ich auch.
die Anderen seh ich so wenig wie die Anderen mich.
sie sitzen fest in mir drin.

Ulrike Almut Sandig

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~ von R - 3. April 2009.

5 Antworten to “Grüße aus Edenkoben [#9]”

  1. diese passivität der sehsituation — keine teilhabe außer durchs feststellen einer klar definierten menge welt — lässt an lange sommerliche wochen im altenheim denken. oder im wohnstift, unbetreut betreutes sein. weniger besuche in einer psychiatrischen abteilung. die majuskelnden anderen als nicht wahrgenommene möglichkeiten oder das wissen um die unmöglichkeit, sich anders zu entscheiden, ein anderer zu sein.

    so erste assoziationen bei einem gedicht, das gefällt.

  2. Heute kein Kommentarkommentar!
    Das Skurriliat um mich herum fordert auch zu viel Aufmerksamkeit.

  3. sanft aufgetragen, und frisch, erschreckend schön.

  4. erfrischend, so zeitversetzt diese grüße aus ed. zu lesen …

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