Karfreitagnachtrag

•7. April 2015 • Hinterlasse einen Kommentar

Buschwindröschen

Ein Tag mit B-Last. Der erste Wald heißt Boll, der dritte Birch. Den Bruneggerweg bis Brunegg, Burg Brunegg.
Berge. Bergbau, Bobinen. Die »Militärbetriebe« an der Autobahn nach Bern.
What a blast. Und ich fand keinen Seidelbast.
Und nur bisweilen Blaustern.
Die Butterblumen beginnen erst, Butter folgt auf Ampfer.
Mit Bestimmtheit kann ich sie nicht bestimmen. Bist du behaart, oh Blancoblume? Birgst du Bingel?
Wie alter Bart stehen Binsen, wie Brandung flappt der Bärlauch durch den Wald.
Über einen Aronstab gebeugt warte ich auf ein C.

Ein Gestern, als sei es übermorgen

•2. April 2015 • Hinterlasse einen Kommentar
Müllerhaus Lenzburg

Müllerhaus Lenzburg

Wie gut, dass es drinnen nicht regnen kann. Ich heize
und vergrößere die Oberfläche der Wärme,
indem ich gestikulierend durch das Atelier laufe,
das den von mir jetzt bewohnten Streckbau fast ganz ausfüllt.
Abgesehen von den Dosen mit Ameisengift
und einigen Möbeln.
Die Amseln kommen hier nicht so nah
wie in Berlin. Es interessiert sie auch nicht
die Kunstform »Garten«.
Sollte Post kommen, teilte mir das Büro mit,
würde ich einen Anruf bekommen. Ob umgekehrt
ein Anruf auch Post nach sich zieht, ist mir nicht bekannt.
Oder ob der Gärtner den Garten ― den Vögeln und der Katze gleich ―
vorzugsweise von der Mauer aus betrachtet.
Es steht nicht in der Zeitung.
Es steht nicht im Büro.
Es steht nicht in der Ameisendose.
Es steht nicht in der Schweiz.

Irritenz an die verreiste Geliebte

•24. März 2015 • Hinterlasse einen Kommentar

Ich war dort, wo die Vögel den Bauarbeitern zuhören, und wo die Bauarbeiter, wenn es niemand sieht, Grüße zurückflattern. In weiten Teilen unseres Parks wird es nun viel mehr Schatten geben.
Ein Mädchen hat sich stehend noch, die Händen auf dem Boden, beim Pinkeln zugesehen. Und dann waren da rauhreifige Magnolienblütenknospen wie Angebote für junge Sammler von Velours.
Und Goethe sprach, er wolle seine Landschafft durch Wasser ziehen. Ich trug unten eine Hose und oben schnitt ich Kiwi, Birne und Mandarine. Über viele Stunden verteilt.
Bemerkenswerter als dass ich letzte Woche mit dieser verwechselt hab, ist, dass ich diese mit letzter verwechsele. Oder: verwechselte, denn das ist nun auch schon wieder einen halben Tag her.
Es kann daran liegen, dass ich nicht bei der Händlerin für blasses Minzgrün war. Vieles kann daran liegen. Goethe zu lesen etwa, den Dichter »von der ältern Kirche«.
Er »verpudelt« mir das Haar. Unter dem ich ohnehin verpudelt bin.
Könnte ich, würfe ich dir wohl eine Pleiade in deins.

Tapetenwoche

•14. Dezember 2014 • Hinterlasse einen Kommentar

>>>>>>> Thomas Spaniel | SALZA || in: DIE IRREN KURSE EINER STERBENDEN FLIEGE [Gedichte] | Udo Degener Verlag 2011 ::::::
wir starrten zumeist / durch die tapeten.
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>>>>>>> Marcel Beyer | TIGERSCHMINKE || in: GRAPHIT [Gedichte] | Suhrkamp 2014 ::::::
Da spricht jemand durch die Tapete.
………………
>>>>>>> Sam Riviere| LOB DES PASSIVEN AM PAPIER || in: POETRY MAGAZINE | October 2014 ::::::
Ich war mir plötzlich sicher, dass ich Gefühle für die Tapete hatte.
………………

Fritz Schmidt's Restaurant und Festsäle

Fritz Schmidt’s Restaurant und Festsäle

Ach ja, Island

•22. August 2014 • Hinterlasse einen Kommentar

Das ineinander verschränkt Schroffe und Weiche. Felsnadeln, seltsame Geometrien oder solitäre Formen, von Moos betufft, Felder wie bauschige Häkelware, blanker Stein als Wulst oder als Fläche kantiger Steine, an den Stränden der schwarze Kies von faust- bis sandkorngroß, die lockenden Schluchten mit der Wasserfallbelohnung, Regenbogenwasserfälle, Donnerfälle, Säuselfälle, Sickerfälle, Vorhangfälle und Verteilerfälle, das Blaugrün im Weiß der Gletscher, das Weiß im Blaugrün der Gletscher, geriffelt und gestaucht, bis sie abbrechen und schmelzen, als juwelenartige Strukturen, sogar im Meer noch lange überdauern, wenn es sie dorthin gekalbt hat, das Gras, die unterhalb der Höhen überall zu findende Engelwurz, das eisige Meer, die Flugsandschwaden vor Südisland, der Flugsand, der sich in Felswände schmirgelt, kleine Buchten einbaucht, die schöne Einsamkeit an vielen Orten.

Islandgletscher

Multipel ähnlich die Zeit

•26. März 2014 • Hinterlasse einen Kommentar

Die Abschusszahlen in den einmal gefalteten News. Eine erste FKK-Schnecke, etwas lässt sie vorsichtshalber vor meinem Atelier abbiegen. Aldi informiert. Die Reiher groß wie Reiherduplikate, mit denen man den Garten aufs Wunderbarste schmücken kann. Ich überlasse sie gegen Kaution sich selbst und mich dem Regen, der so schwach ist, dass der Hofhund nicht riecht. Die Annexionskälte der Schatten. Tagestext: »Wie unüberwindlich ist die Härte des Holzes!« [Adolfo Bioy-Casares]. Die runden Klammern der vom Wind gebeugten Reiser, ich verzeihe sie der Poesie. Ich gehe, Details zu finden in der Kargheit der noch nur schwach austreibenden Landschaft. Fuchslöcher, die Leiterbauten der Hochsitze, ein Arztstuhl im Wald, ein Stück dahinter ein exakt rechteckiger Wildschwein-Lustpfuhl. I am how? I’m not cow. Und was ich nicht kenne auf den Agrarflächen, nenne ich Silagepflanzen.

Stuhl in der Göhrde

Generation Z

•13. Februar 2014 • Hinterlasse einen Kommentar

Wir warten auf das Update. Das technische Gerät in Händen warten wir auf den ersten vollständig drähtelosen Morgen. Die Cloud zum fünften Element. Wir warten, ob der nächste Tricorder den Zuckergehalt in unseren Milchkaffees messen kann. Wann eröffnet American Apparel den nächsten, den besten Maidan? Wir warten, warten auf das Gedicht für alle, dernier cri. Wir warten auf Phlogistonwörter, die Betaversion eines Paypals für Empathie. Wir warten. Homs und frische Brötchen. Whom bomb, Allen Ginsberg, whom? Wir warten, ins Weiße hinein und ins Schwarze. Bonosexualität, Schlaraffenpower auch auf dem flachen Land, our Little House on the Prairie. Egoismuspuffer, Patchworkfellatio, wir warten auf euch. Liken wartend das Barmädchen Karl Marx. Warten, dass das Herz an der Biegung des Flusses zu blühen beginnt, es war doch Fair Trade! Wir warten weich und sparen wirklich ganz viel Strom, Benzin, Berührung. Wir warten, denn da muss ein Jericho für Ansprüche auf Urheberschaft sein. Ein Quantum fat free, eine Heizdecke Paradies. Wir warten, wir warten schon mal, am Katzenbild.

mind the gap

 
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