
Aus der Akte Torp
•9. November 2009 • 1 Kommentar[#]75
Es gab den Tagtorp, den Dunkeltorp. Es gab den Ellenbogentorp. Aber auch den Schneewehenbegehertorp. So, wie es den Generaltorp gab. Und den Zwischentorp. Den kaum hörbar eingeflüsterten Torp. Den Torp mit einem Kilo Batterien in der Handtasche. Den Süße-Sahne-Verbitterer-Torp.
Es gab den Torp, der größer war als Torp. Den aureolischen, halluzino-generischen Torp. Den dann und wann überdimensionierenden Torp. Mister T. Aufschwemmtorp, wie ihn die Kinder riefen, die ihn kannten. Die ihn als Torp hinter Fenstern kannten. Torp hinter Musik, Torp hinter der Stille. Torp: die Stille.
Und: Die Stelle Torp. In der ein Torp ein ganzes Universum bilden konnte – ohne sich dabei in einem Universum zu befinden. Ein Universum, in dem zwei Torps weniger wären als nur ein Torp. (Und drei Torps wiederum mehr als vier .)
Torp fand jedenfalls statt. Als Hand, die im nichttorpischen Raum herumfuchtelte. Aber auch darüber hinaus. Als Morbus Torp. Als Erzählperspektive. Als Maßeinheit. Als eine Art Voodoo.
Torp, der sich hinter sich selbst befindend sich selbst voraus war. Der sich selbst Torp genannt hätte.
In seiner Jugend das kleine Torpchen. Dann der Torpling so vieler Frauen. Torp der Torpolero. Der Torp seiner selbst.
Gruß aus der Bewegung heraus
•4. November 2009 • 2 KommentareDie Lage ist schlecht. Noch immer Berge. Überall fast schmerzhaft erstarrte Oszillation. Wir fühlen uns wie nicht ganz ausmumifiziert. Trotzdem zitiert man unsere Körper und das, was sich in ihnen bewegt, das heilige Synapsium. Wir sehen das. Wir sehen auch die Gedankenkolchosen. Sehen, dass sich in unserer Anwesenheit ein neues Perfekt entwickelt. Details, die das große Ganze zersetzen. Viel Nebel also. Doch immer wieder auch Rotwild, das uns in die Ferngläser gerät. Und das sich dadurch, dass wir schärfer stellen, zu verletzen scheint.
Skeptische Zärtlichkeit
•30. Oktober 2009 • Kommentar schreibenEndgültig vorbei scheint die Zeit klarer und chronologisch sich fortschreibender Traditionslinien und Anknüpfungspunkte. Die deutschsprachige Dichtung, und nicht nur die, gleicht immer mehr einem Kosmos, der auseinandertreibt.
Jayne-Ann Igel
Aus ihrem Nachwort in: Skeptische Zärtlichkeit. Junge deutschsprachige Lyrik. [Gedichte, Essays, Poetiken]. Herausgegeben von Ulf Großmann und Axel Helbig. 202 Seiten. Leipziger Literaturverlag. Preis: 29,95 Euro.
Gruß aus Schloss Hainfeld
•15. Oktober 2009 • Kommentar schreibenIm Moment fühlen wir uns in unserer überschaubaren Anzahl von Personalpronomen wie Götter.
Die Fahrt hierher war wohl ein Olymp.
So ein — wie soll man sagen — Fließen, das auf der Statik schwimmt.
Viele gesunde Kontakte. Einige Kinder spielten Landschaft oder holten Großmütter aus ihren Portmonees.
Natürlich sahen manche aus, als seien sie soeben dem Halogenempfangsraum entsprungen oder säßen in ihrem Rhema fest.
Dafür sprachen sie ein beinahe schon fein zu nennendes Krisenenglisch.
Jetzt wollen wir uns aber wieder den seltenen Wassern zuwenden, strahlt uns doch die Zeit gerade so schön.
Gruß vom Flughafen Wien
•13. Oktober 2009 • 4 KommentareDanke, Österreich, dass du mich endlich um ein gemeingefährliches metrosexuelles Accessoire, meine Nagelfeile, erleichtert hast. Allein schon deshalb muss man dich lieben, du bist ein kerniges Land. Niemand wird nun mehr Gefahr laufen, zu Tode gefeilt zu werden. Jedenfalls nicht von mir. Wie ignorant zeigten sich doch Deutschland, Türkei, Spanien, Griechenland, Italien, Norwegen, Dänemark, Schweiz, Weißrussland, Albanien, Ägypten, Estland, Frankreich und Großbritannien. Selbst die Vereinigten Staaten, homeland der security, akzeptierten meinen kleinen metallenen Gentlemanmacher. Auch du gehörtest in den vergangenen Jahren, ja selbst noch vor ein paar Tagen zu dieser Achse der Blöden. Jetzt rüstest du auf, indem du abrüstest. Niemand soll (mehr) von dir als einem Österreichchen reden. Erst Haider und Rechts-Haiderianer, jetzt das Gesetz zu Abwehr von Minimalmetall. Ich freue mich zu vermuten, dass demnächst auch das Mitführen von Schuhen und Büchern (Hiebwaffen) oder Tüchern, Hosen, Strümpfen und Halsketten (Erdrosselungsgefahr) passé sein wird. Denn du bist ja auch ein kluges Land, schon jetzt bis an den Horizont mit Bergen, Schmäh und freiheitlichen Bündnissen bewaffnet. Ich schließe nicht nur deswegen mit den devotesten Grüßen.
Gruß von der Bärenschützklamm
•9. Oktober 2009 • Kommentar schreibenWiewohl die durch ihr Vorhandensein uns zu Gästen machenden Gastgeber sich selbst kaum verstanden, erreichten uns ihre Worte mit nahezu atavistischer Klarheit.
Sie weckten uns mit der zärtlich gestellten Frage, ob unserer beider Nacht eine zierlich bewohnte Pagode gewesen sei (sie sagten: »wäre«). Wir sprachen lieber von diesem mäandernden Schaum aus einer einzigen schwarzen Blase, meinten aber im Grunde: ja.
Worauf sie nickten.
Was man hier anscheinend tut.
Unser Tag dann glich einer manuellen Raumfahrt.
Noch einmal ein nahezu negroterranes Klima.
In dem wir Berge sahen. Angesteiert, wie wir waren.
Die vermutlich steilen Hänge und verschiedenen Gefälle der Stille ließen an Paul Celan denken.
Es ergaben sich wirklich sehr schwirrende Ichs.
Gruß aus bei Graz
•8. Oktober 2009 • Kommentar schreibenKeine Probleme während des Flugs. Nur kurz im Anschluss. When the aircraft had reached its final barking position.
Die Wälder in ihren Farben wie Möbel in einem Raucherabteil.
Speziell die Wälder, Vinetas meiner Gedanken.
Wir waren müde. So, als wären jeweils zwei Müdigkeiten ineinander geschoben worden.
Dabei wirkte die Sonne wie auf einen Sommerplaneten ein.
Es war schön und Dienstag. Beziehungsweise: der süßesten Anmut war Boden bereitet.
Wie sagt der Dichter: Wir befanden uns im Halfter einer ansehnlichen Wetterlage.
Die Luft roch, als hätte man Kühe versprüht. Sanfte Kühe mit großen Augen.
Über den Gleisen, die uns in die Stadt führen sollten, mahnte ein Schild: Betriebserde. Nicht öffnen.
Sofort ging es uns wieder enigmatisch, sehnten wir uns doch nach Pandoras Bodenbelag.
Inzwischen haben wir unser derzeitiges Dasein erreicht.
Unsere Hirten, bei denen uns nun zu ruhen gestattet ist, lieben es, kleine salzige Flüssigkeiten zu betreiben.
Es ist Teil der Einheimischkeit, wie man sie hier versteht.


